Vegan ist das neue Grün (1)

Es ist ethisch einwandfrei wenn man andere, die Teile gemordeter Nichtmenschen essen, nicht verstehen kann. Es ist ethisch einwandfrei, Veganismus einzufordern. Antispe und Vegan sind eins. #veganismus ist das neue grün
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Tierbefreiung und Veganismus … kommunizieren

Wenn wir für die Tierbefreiung kämpfen, dann sollten wir es ganz tun.

Ziel des Veganismus ist es zur Zeit seiner Begründung durch Donald Watson (und 26 seiner vegetarischen Freunde die den Schritt mittaten) im Jahr 1944 gewesen, Tiere nicht mehr als Ressourcen auszubeuten, sondern sie in ihrer Eigenständigkeit anzuerkennen.

So schreibt Watson in dem ersten offiziellen veganen Rundschreiben:

Wir erkennen deutlich, dass unsere Gegenwartszivilisation sich auf der Ausbeutung von Tieren errichtet, so wie vergangene Zivilisationen sich auf der Ausbeutung von Sklaven errichtete. (1)

Und auch die früheren europäischen Pioniere des Veganismus brachten ihr Hauptanliegen zum Ausdruck, dass Tieren keine Ungerechtigkeit zugefügt werden darf. Shelley, der gemeinsam mit Mary Shelley (seiner Frau, der Verfasserin des Klassikers ‚Frankenstein‘) einer der frühen Pioniere einer fast veganen Lebensweise war, brachte in seiner Dichtung den Gedanken mit ein, dass Tieren Gewalt zuzufügen ein Unrecht wäre:

Nicht länger nun schlachtet er das Lamm, dass ihm in sein Gesicht schaut, nicht länger verschlingt er grauenhaft sein geschunden Fleisch. (2)

Und auch wesentlich weiter zurückliegend in der Geschichte finden wir die überlieferten Zeugnisse dafür, dass eine ganz pflanzliche Lebensweise bewusst als Schritt von Menschen vollzogen wurde der Tiere wegen. Der syrische Skeptiker und Religionskritiker Al-Ma’arri schrieb im 10. Jahrundert n.Chr.:

Esst nicht den Fisch, der das Wasser ausgespien, und hungert nicht
nach dem Fleisch geschlachteter Tiere als Nahrung,
nicht nach der weißen Milch von Müttern, die die pure Flüssigkeit
ihren Jungen und nicht noblen Damen gedachten.
Verärgert nicht die harmlosen Vögel indem Ihr ihnen die Eier stehlt;
denn Ungerechtigkeit ist das Schlimmste aller Vergehen.
Nehmt nicht den Honig, den die Bienen mit Mühe
von den Blumen und den duftenden Pflanzen sammeln; (3)

Doch zurück ins Europa der Neuzeit. Die Erkenntnis, dass sich nicht alles nur um den Menschen drehen mag, hatten zur Zeit Watsons auch andere, die aber nicht so konsequent waren, daraus die logischen Schritte zu ziehen, was die Lebenspraxis anbetrifft. Der für seine sozialistisch-gesellschaftskritische Ausrichtung bekannte Philosoph Bertrand Russell beobachtete ganz richtig, wie die Nabelschau der Menschheit sich meistens aufbaut:

‚Höflichkeit ist die Praxis, den Teil einer Überzeugung eines Mannes zu respektieren, der sich besonders mit dessen eigenen Vorzügen und denen seiner Gruppe befasst. Jeder Mann ist, wo immer er geht, von einer Wolke beruhigender Überzeugungen eingehüllt, die sich mit ihm wie Fliegen an einem Sommertag bewegen. Einige dieser Überzeugungen beziehen sich auf sein Persönliches: sie bestätigen ihm seine Tugenden und Vorteilhaftigkeiten, die Zuneigung seiner Freunde und den Respekt seiner Bekannten, die rosigen Aussichten seiner Karriere und seine unbeeinträchtigbare Energie trotz seines delikaten Gesundheitszustands. Als nächstes kommen seine Überzeugungen bezüglich der überlegenen Exzellenz seiner Familie; wie sein Vater die unbeugsame Standhaftigkeit hatte, die heute so selten ist; und seine Kinder mit einer Strenge erzogen hat die man kaum noch unter modernen Eltern findet; wie seine Söhne in den schulischen Sportwettkämpfen vor allen anderen liegen, und seine Tochter ist nicht die Art von Mädchen die eine unkluge Ehe eingehen würde. Dann kommen die Überzeugungen über seine Klasse, die nach seiner Beurteilung sozial die beste ist, oder die intelligenteste, oder die sich moralisch verdienendste, all der Klasse in der Gemeinschaft – obwohl darüber eine Einigkeit unter Allen besteht, dass der Erste dieser Vorzüge wünschenswerter ist als der Zweite, und der Zweite mehr als der Dritte. Bezüglich seiner Nation erhält sich jeder Mann bequeme Illusionen, ‚Fremde Nationen, es tut mir leid das zu sagen, geht es so wie es ihnen halt geht.’ So sagte Mr Podsnad, mit diesen Worten einer der tiefsten Gefühle des menschlichen Herzens Ausdruck gebend. Schließlich kommen wir zu den Theorien, die die Menschheit generell lobpreisen, entweder absolut oder im Vergleich zur ‚vernunftslosen, tierischen Schöpfung’. Menschen haben Seelen, aber Tiere haben es nicht; der Mensch ist das ‚rationale Tier’; jede besonders grausame oder unnatürliche Handlung wird als ‚brutal’* oder ‚bestialisch’ bezeichnet (obgleich solche Handlungen tatsächlich unverwechselbar menschlich sind); Gott hat den Menschen nach Seinem eigenen Ebenbild erschaffen, und das Wohlergehen der Menschen ist der letztendliche Zweck des Universums.’

Das Denken gibt es lange. Bis hin zu Pythagoras, dem orphischen Lebensstil im antiken Griechenland, bei den Essenern und frühen Christen, im Buddhismus und wir können nur ahnen, was an Geschichte uns in dieser Hinsicht noch unbekannt ist und wahrscheinlich leider auch für immer unbekannt bleiben wird.

Heute sind wir ‚aufgeklärt‘ genug, um uns über Ethik soweit Gedanken machen zu können, dass wir es endlich als ganze Gesellschaft schaffen können, nichtmenschliche Tiere in unser ethisches Bewusstsein und Handeln mit einzubeschließen.

Wie wichtig es ist solche Gedanken zu kommunizieren, kann man kaum überbetonen und es sollte uns aus unserer Geschichte als ethische Veganer_innen bewusst sein.

(1) Eine Übersetzung der ersten Vegan News aus dem Jahre 1944, verfasst von Donald Watson, http://simorgh.de/the_vegan_news/GERMAN_vegan_news_issue_1_donald_watson_B.pdf

(2) Der vegane Prototyp des 19. Jahrhunderts, http://simorgh.de/vegan/der_vegane_prototyp.pdf

(3) Ein rebellischer Dichter, http://simorgh.de/about/al-maarri/

(4) Auszug aus: Russell B, Sceptical Essays, London 1935, http://www.simorgh.de/thequest.html#RUSSELL, Bertrand, Sceptical Essays, Unwin Publishers Ltd., London, 1935, pp.23-24. (die Hervorhebung habe ich hinzugefügt.)

Antispeziesist nur zuhause?

Tierrechte sind ein GLOBAL ISSUE, ein globales Thema. Wenn in Indien massiv Haiflische getötet werden für Haifischflossensuppe oder andere Meerestiere in den Ozeanen geschützt, nein beschützt werden müssen, so ist das ebenso meine Sache hier in der BRD, wie der Kampf gegen jegliche speziesistische Praktik.

Wenn Menschenrechte in anderen Teilen der Erde verletzt werden, ist das ja auch meine Sache. Ich bin ein Mensch, also gehen mich Menschen etwas an. Und ich bin ein Mensch, als Tier – ein Simian, ein „Affenartiger“, der Gattung „Homo sapiens“) – den auch andere Tiere gleich wo auf dieser Erde etwas angehen.

Spezisismus kennt keine Grenzen; die Einforderung von Gerechtigkeit kann daher auch keine Grenzen kennen.

Biologistischer Tod

Der Massenmord, der sich auf die biologistischen Argumente beruft:

Wenn etwas massenhaft geschieht, sehen wir weder die Realität der Sache an sich, der Betroffenen, noch die Einzelpsychologie der Mitmacher und Täter.

Wir sehen nur das Konzept „Tier“, das Geld, die Zugehörigkeit zu einer menschlichen Gruppe, zu der wir gerade gehören.

Was es braucht ist Antispezisismus statt Spezisismus als Motor.

Was heißt „leiden“?

Das Argument der Leidenskapazität ist regressiv.

Tierrechte können sich nicht ausschließlich vom Nagativum der LEIDENS-Kapazität ableiten, wir müssen moralische Positivableitungen formulieren lernen, auch wenn das heißt in neuen Begriffen denken lernen zu müssen.

Wir brauchen ganz andere Parameter in der Frage moralischer Berücksichtigung, als das alte anthropozentrische Bild des Menschen als das Maß aller Dinge.

Wir sind nicht alle gleich, und Nichtmenschen sind auch nicht alle gleich. Und Erlebnisse funktionieren bei keinem Individuum so simplizistisch, wie wir geneigt sind es immer wieder darzustellen.